Liquiditätsgrade
Die Liquiditätsgrade setzen unterschiedlich schnell verfügbare Vermögensteile ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Sie beantworten, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Zahlungspflichten aus vorhandenen Mitteln bedienen könnte.
Formel
Liquidität 1. Grades = flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten
Die drei Grade
| Grad | Formel |
|---|---|
| 1. Grades (Barliquidität) | flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten |
| 2. Grades (Einzugsliquidität) | (flüssige Mittel + Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten |
| 3. Grades (Umsatzliquidität) | Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten |
Die drei Grade unterscheiden sich nur darin, was als Deckung gilt: nur Geld, Geld plus Forderungen oder das gesamte Umlaufvermögen. Je weiter unten, desto länger dauert es, bis ein Posten zu Geld wird.
Beispiel
Angenommen: flüssige Mittel 45.000 €, Forderungen 120.000 €, Vorräte 90.000 €, kurzfristige Verbindlichkeiten 180.000 €.
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- Grades: 45.000 ÷ 180.000 = 25 %
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- Grades: 165.000 ÷ 180.000 = 92 %
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- Grades: 255.000 ÷ 180.000 = 142 %
Einordnung
Für den zweiten Grad misst die Deutsche Bundesbank einen Median von 120,2 % über alle Wirtschaftszweige (Berichtsjahr 2024); für den ersten und dritten Grad führt ihre Statistik keinen Wert. Wie weit die Branchen auseinanderliegen, welche Richtwerte Banken ansetzen und wo beim Rechnen die Fehler entstehen, steht im Artikel Liquiditätsgrade berechnen.
Wo steht das in Ihrer BWA?
Nicht in der kurzfristigen Erfolgsrechnung — die zeigt Erträge und Aufwände, keine Bestände. Die Grundlagen stehen in der Summen- und Saldenliste oder im Jahresabschluss. Kanzleien liefern eine Bilanzkennzahlen-Auswertung meist auf Anfrage.
Die häufigste Fehldeutung
„Liquidität 2. Grades bei 92 %, also fast in Ordnung.“ Diese Kennzahlen sind Stichtagswerte. Sie sagen nichts über Termine: Die 120.000 € Forderungen aus dem Beispiel nützen nichts, wenn sie erst in 60 Tagen fließen und die Löhne in fünf Tagen fällig sind. Für die Frage, ob das Geld reicht, braucht es eine Planung mit Fälligkeiten — keine Quote.
Verwandte Begriffe
Ausführlich mit Rechenweg, Richtwerten und Branchenmedian: Liquiditätsgrade berechnen. Warum Bestände keine Termine sind, steht unter OPOS; die zahlungsorientierte Sicht erklärt der Cashflow. Praktisch angewendet: Liquiditätsplanung.
Dreizehn Wochen voraus, Woche für Woche.
Zur LiquiditätsplanungZuletzt geprüft:
Verwandte Begriffe
- Cashflow Der Cashflow ist der Saldo aus Ein- und Auszahlungen eines Zeitraums. Anders als das Ergebnis der Erfolgsrechnung zeigt er, wie viel Geld tatsächlich geflossen ist.
- OPOS OPOS steht für „offene Posten“ — Rechnungen, die gestellt, aber noch nicht bezahlt sind. Die OPOS-Liste zeigt den Bestand dieser Forderungen und Verbindlichkeiten zu einem Stichtag.
- Working Capital Das Working Capital ist die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Es zeigt, welcher Teil des kurzfristig gebundenen Vermögens nicht durch kurzfristige Schulden finanziert ist.
