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BWA verstehen

der Yupana-Podcast

Folge 03

Liquiditätsplanung: 13 Wochen in 30 Minuten

12 Min. 5 Kapitel

Liquiditätsplanung ohne Tabellen-Marathon: So bauen Sie einen 13-Wochen-Plan, den Sie jeden Montag in 30 Minuten fortschreiben. Danach kennen Sie Ihre festen Zahltermine und sehen eine Lücke Wochen, bevor sie entsteht. Testen Sie Yupana 14 Tage kostenlos mit Ihren eigenen Zahlen und sehen Sie Ihre Liquidität auf einen Blick.

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Ein Quartal, Woche für Woche

Tom : Meine Bank will neuerdings eine Liquiditätsplanung sehen. Ich habe nur die BWA und den Kontostand von heute.

Ines : Damit sehen Sie, was war, aber nicht, was kommt. Heute bauen wir einen Plan über dreizehn Wochen, den Sie jeden Montag in einer halben Stunde fortschreiben.

Tom : Warum ausgerechnet dreizehn Wochen?

Ines : Dreizehn Wochen sind ein Quartal. Kurz genug, dass Sie die Zahlungen wirklich kennen, und lang genug, um auf eine Lücke noch zu reagieren.

Ines : In Sanierungen ist dieser Wochenplan das gängige Werkzeug für die kurze Sicht. Er rechnet direkt mit Einzahlungen und Auszahlungen, nicht mit Erlösen und Kosten.

Tom : Ich bin aber nicht in der Sanierung. Muss ich so etwas überhaupt haben?

Ines : Ein festes Format schreibt Ihnen niemand vor. Aber Paragraf eins des Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetzes verlangt von Geschäftsleitern einer GmbH, fortlaufend über Entwicklungen zu wachen, die den Fortbestand gefährden können.

Ines : Und die größte Gefahr ist fehlendes Geld. Zahlungsunfähig ist nach Paragraf siebzehn Insolvenzordnung, wer fällige Zahlungen nicht leisten kann.

Tom : Wo ist die Grenze zwischen einem engen Monat und echter Zahlungsunfähigkeit?

Ines : Der Bundesgerichtshof hat zweitausendfünf eine Faustregel gesetzt. Fehlen zehn Prozent oder mehr der fälligen Verbindlichkeiten, ist regelmäßig von Zahlungsunfähigkeit auszugehen.

Ines : Das gilt für eine Lücke, die sich nicht binnen drei Wochen schließen lässt. Kürzere Engpässe nennt das Gericht Zahlungsstockung.

Tom : Drei Wochen sind sehr kurz.

Ines : Wer eine Lücke erst am Kontoauszug sieht, hat von diesen drei Wochen oft schon Tage verloren. Der Plan zeigt sie Ihnen bis zu dreizehn Wochen vorher.

Tom : Und mit welchen Zahlen rechnen wir?

Ines : Wieder mit Ihrem Beispielbetrieb: Handwerk, vierzig Leute, dreihundertdreißigtausend Euro Gesamtleistung im Monat. Alle Beträge sind ein Rechenbeispiel.

Ines : Dazu nehmen wir sechzigtausend Euro Guthaben auf dem Konto und hunderttausend Euro Kreditrahmen bei der Bank. Jetzt die drei typischen Fehler.

Fall 1: Monatsplan aus der BWA

Tom : Ich hätte einfach die BWA genommen und für die nächsten drei Monate fortgeschrieben. Was ist daran falsch?

Ines : Drei Dinge. Die BWA rechnet netto, sie bucht nach Leistung statt nach Zahlung, und sie kennt nur ganze Monate.

Tom : Fangen wir mit netto an. Warum ist das ein Problem?

Ines : Ihre Kunden überweisen brutto, also mit Umsatzsteuer. Die Industrie- und Handelskammern raten deshalb, alle Beträge im Liquiditätsplan einschließlich Umsatzsteuer einzutragen.

Ines : Die Steuer selbst steht dann als eigene Auszahlung am zehnten des Folgemonats im Plan. Im Beispiel rund siebenunddreißigtausend Euro, mit Dauerfristverlängerung einen Monat später.

Tom : Und nach Zahlung statt nach Leistung heißt was?

Ines : Die Kammer schreibt es klar: Der Plan ist keine Umsatzprognose, sondern eine Prognose der Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge.

Ines : Eine Rechnung vom ersten Oktober gehört bei fünfundvierzig Tagen Zahlungsziel in die Woche Mitte November. Nicht in den Oktober.

Tom : Aber warum Wochen? Mein Monat geht doch meistens auf.

Ines : Rechnen wir Ihren Monat. Rein kommen rund dreihundertsiebzigtausend Euro brutto, raus gehen etwa dreihundertvierundsechzigtausend, also sechstausend Euro Plus.

Tom : Klingt doch beruhigend.

Ines : Jetzt dieselben Zahlen nach Wochen. Pro Woche kommen gut fünfundachtzigtausend Euro rein, aber die großen Zahlungen ballen sich an zwei Stellen im Monat.

Ines : Am zehnten gehen Umsatzsteuer und Lohnsteuer ans Finanzamt, im Beispiel zusammen gut fünfzigtausend Euro. Beide Termine stehen so im Gesetz.

Tom : Und die zweite Stelle?

Ines : Das Monatsende. Die Sozialversicherungsbeiträge sind am drittletzten Bankarbeitstag fällig, kurz danach gehen die Nettolöhne raus.

Ines : Mit Lieferanten sind das in der letzten Woche rund hundertachtzigtausend Euro. Dem stehen fünfundachtzigtausend Euro Einzahlungen gegenüber.

Tom : Also fast hunderttausend Euro minus in einer einzigen Woche?

Ines : Genau. Gehen Sie mit sechzigtausend Euro Guthaben in diese Woche, stehen Sie danach mit fünfunddreißigtausend Euro im Soll, obwohl der Monat im Plus ist.

Ines : Der Kreditrahmen fängt das noch auf. Aber nur der Wochenplan zeigt Ihnen, wie viel davon in dieser Woche schon belegt ist.

Tom : Was gehört dann alles in die Zeilen?

Ines : Oben der echte Kontostand vom Montag, nicht der Saldo aus der Buchhaltung. Darunter die Einzahlungen aus offenen Rechnungen und geplanten Abschlägen.

Ines : Dann die Auszahlungen: Löhne, Sozialversicherung, Steuern, Lieferanten, Miete, Darlehensraten, Investitionen und Privatentnahmen. Die Kammern nennen Entnahmen, Tilgung und Investitionen ausdrücklich.

Ines : Ganz unten der Kreditrahmen als eigene Zeile. So sehen Sie in jeder Woche, wie viel Luft bis zur Grenze bleibt.

Tom : Und die Gewerbesteuer?

Ines : Die Vorauszahlungen sind am fünfzehnten Februar, Mai, August und November fällig. Fällt einer dieser Tage in Ihre dreizehn Wochen, steht er dort mit Betrag.

Tom : Und Einmalzahlungen wie das Weihnachtsgeld?

Ines : Gehören genauso hinein. Im Beispiel gehen im November zusätzlich sechzigtausend Euro raus, die in der BWA über das ganze Jahr verteilt stehen.

Fall 2: Einmal gebaut, nie gepflegt

Tom : Einen Plan haben wir vor zwei Jahren für den Bankkredit gemacht. Seitdem liegt er in einem Ordner.

Ines : Das ist der zweithäufigste Fehler. Ein Liquiditätsplan veraltet jede Woche, weil Kunden später zahlen und neue Ausgaben dazukommen.

Tom : Wie viel Zeit kostet mich die Pflege denn wirklich?

Ines : Für den ersten Aufbau planen Sie einen Nachmittag ein. Danach dreißig Minuten jeden Montag, immer in derselben Reihenfolge.

Tom : Was brauche ich für den Aufbau?

Ines : Drei Listen aus der Buchhaltung: offene Kundenrechnungen, offene Lieferantenrechnungen und alle Daueraufträge und Lastschriften vom Konto. Dazu die Steuertermine und die Darlehensraten.

Tom : Brauche ich dafür eine eigene Software?

Ines : Für den Anfang reicht eine Tabelle mit dreizehn Spalten. Wichtiger als das Werkzeug ist der feste Termin am Montag.

Tom : Und was passiert in diesen dreißig Minuten?

Ines : Erstens tragen Sie den echten Kontostand ein. Zweitens vergleichen Sie die vergangene Woche: Was war geplant, was ist wirklich geflossen?

Ines : Drittens schreiben Sie bei jeder größeren Abweichung einen Satz dazu, warum. Viertens streichen Sie die alte Woche und hängen hinten eine neue an.

Tom : Hinten eine neue Woche, damit es immer dreizehn bleiben?

Ines : Genau, das heißt rollierend. Der Blick reicht so immer ein Quartal nach vorn, auch im Dezember.

Tom : Wer im Betrieb soll das machen? Ich habe dafür keine Zeit.

Ines : Die Buchhaltung bereitet vor: Kontostand, Liste der offenen Posten, neue Bestellungen. Sie selbst brauchen zehn Minuten für die Abweichungen und die Entscheidungen.

Tom : Woher weiß die Buchhaltung, wann ein Kunde wirklich zahlt?

Ines : Aus seinem Verhalten, nicht aus dem Fälligkeitsdatum. Wenn ein Kunde seit einem Jahr nach fünfzig Tagen zahlt, gehört seine Rechnung in Woche acht.

Ines : Firmenkunden sind spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung im Verzug. Wer regelmäßig später zahlt, bekommt eine Mahnung und im Plan das echte Datum.

Tom : Und wie genau muss das sein? Ich kann nicht jede Rechnung über hundert Euro planen.

Ines : Müssen Sie auch nicht. Die großen Posten einzeln, alles Kleine als Pauschale je Woche, im Beispiel zehntausend Euro für Material und Kleinkram.

Ines : Die Pauschale prüfen Sie einmal im Monat gegen das Konto. Liegt sie daneben, passen Sie sie an.

Tom : Was ist eine größere Abweichung? Ab wann muss ich mich kümmern?

Ines : Legen Sie eine feste Schwelle fest, im Beispiel zehntausend Euro je Woche. Darunter genügt ein Blick, darüber wollen Sie den Grund wissen.

Tom : Und wenn sich die Abweichungen nur in eine Richtung häufen?

Ines : Dann ist Ihr Plan zu optimistisch. Meist zahlen Kunden im Schnitt später, als die Buchhaltung annimmt, und genau das korrigieren Sie dann für alle Wochen.

Fall 3: Auf null geplant

Tom : Unser Plan zeigt nie ein Minus unter dem Kreditrahmen. Dann ist doch alles gut, oder?

Ines : Nur wenn alles läuft wie geplant. Der dritte Fehler ist, nur den Normalfall zu rechnen und die Linie bis auf den letzten Euro auszureizen.

Tom : Was soll ich denn stattdessen planen?

Ines : Erstens eine Untergrenze, unter die Sie nie fallen wollen. Im Beispiel fünfzigtausend Euro Luft im Kreditrahmen, nicht null.

Tom : Warum fünfzigtausend? Das Geld liegt dann ja nur herum.

Ines : Es ist Ihre Reserve für Überraschungen, etwa eine Reparatur oder eine Nachzahlung. Die genaue Höhe legen Sie selbst fest, wichtig ist, dass sie als Linie im Plan steht.

Tom : Und wie sieht das in meinem Normalfall aus?

Ines : In der Monatsendwoche stehen Sie bei fünfunddreißigtausend Euro im Soll. Bis zur Grenze bleiben fünfundsechzigtausend, also knapp über der Untergrenze.

Tom : Und zweitens?

Ines : Zweitens ein schlechter Fall. Nehmen Sie Ihren größten Kunden und lassen Sie ihn im Plan drei Wochen später zahlen.

Tom : Bei uns wäre das eine Abschlagsrechnung über hundertzwanzigtausend Euro.

Ines : Dann rutschen Sie in der Monatsendwoche von fünfunddreißigtausend auf hundertfünfundfünfzigtausend Euro im Soll. Das sind fünfundfünfzigtausend Euro über Ihrem Kreditrahmen.

Tom : Und was mache ich, wenn ich das im Plan sehe?

Ines : Sie haben noch Wochen Zeit. Fragen Sie zuerst beim Kunden nach dem Stand der Freigabe und stellen Sie fällige Abschläge sofort.

Ines : Dann prüfen Sie, welche Ausgaben sich verschieben lassen. Eine Investition oder eine Entnahme ist leichter zu verschieben als ein Lohn.

Tom : Und die Bank? Die will ich nur ungern anrufen.

Ines : Gerade jetzt sollten Sie anrufen. Mit dem Plan zeigen Sie Ihrer Bank, wann die Lücke entsteht, wie groß sie ist und wann sie wieder zu ist.

Ines : Die Industrie- und Handelskammer Hannover warnt: Eine nicht abgesprochene Überziehung kann den Kreditrahmen kosten. Abgesprochen und belegt ist es ein normales Gespräch.

Tom : Und wenn sich die Lücke nicht schließen lässt?

Ines : Dann reden Sie sofort mit Kanzlei und Anwalt. Bei einer GmbH läuft ab Zahlungsunfähigkeit die Antragsfrist von höchstens drei Wochen.

Tom : Reicht mir dieser Wochenplan dann für die Bank und fürs Gesetz?

Ines : Für die nächsten Wochen ja. Für die drohende Zahlungsunfähigkeit rechnet das Gesetz aber in der Regel mit vierundzwanzig Monaten.

Ines : Deshalb gehört neben den Wochenplan eine grobe Planung nach Monaten für die nächsten zwei Jahre. Die stimmen Sie einmal im Quartal mit der Kanzlei ab.

Tom : Und was erwartet die Bank bei einem neuen Kredit?

Ines : Die Industrie- und Handelskammer Hannover nennt für eine Bankentscheidung sechsunddreißig Monate. Der Wochenplan ist dann der genaue Anfang dieser langen Planung.

Zum Mitnehmen

Tom : Fassen Sie mir zusammen, was ich ab nächstem Montag mache.

Ines : Erstens: Bauen Sie den Plan in dreizehn Wochenspalten, brutto und nach Zahlungstag. Oben der echte Kontostand, unten der Kreditrahmen.

Ines : Tragen Sie die festen Termine sofort ein. Umsatzsteuer und Lohnsteuer am zehnten, Sozialversicherung am drittletzten Bankarbeitstag, Gewerbesteuer am fünfzehnten Februar, Mai, August und November.

Ines : Zweitens: Jeden Montag dreißig Minuten. Kontostand eintragen, Plan gegen Ist vergleichen, Abweichungen begründen, neue Woche anhängen.

Ines : Drittens: Planen Sie eine Untergrenze und einen schlechten Fall. Sehen Sie eine Lücke, sprechen Sie mit der Bank, solange noch Wochen dazwischen liegen.

Tom : Und woran merke ich, dass der Plan taugt?

Ines : Wenn die Abweichungen Woche für Woche kleiner werden und Sie keine Zahlung mehr überrascht. Das dauert meist nur wenige Wochen.

Ines : Dieser Podcast kommt von Yupana, einer Software für den Mittelstand, die Kontobewegungen, Verträge, Software-Lizenzen und die BWA in einer Ansicht zusammenführt.

Quellen

Jede Zahl der Folge ist hier belegt.

  1. 01 § 1 Abs. 1 StaRUG __1.html (öffnet in neuem Tab)
  2. 02 § 17 Abs. 2 InsO __17.html (öffnet in neuem Tab)
  3. 03 § 18 Abs. 2 InsO __18.html (öffnet in neuem Tab)
  4. 04 § 15a Abs. 1 InsO __15a.html (öffnet in neuem Tab)
  5. 05 BGH, Urteil v. 24.5.2005, IX ZR 123/04 (lexetius) 2005,1508 (öffnet in neuem Tab)
  6. 06 Haufe bgh-urteil-vom-24052005-ix-zr-12304-HI1394872.html (öffnet in neuem Tab)
  7. 07 § 270a Abs. 1 Nr. 1 InsO __270a.html (öffnet in neuem Tab)
  8. 08 § 18 Abs. 1 und 2 UStG __18.html (öffnet in neuem Tab)
  9. 09 § 41a Abs. 1 EStG __41a.html (öffnet in neuem Tab)
  10. 10 § 23 Abs. 1 Satz 2 SGB IV __23.html (öffnet in neuem Tab)
  11. 11 § 46 UStDV __46.html (öffnet in neuem Tab)
  12. 12 § 19 Abs. 1 GewStG __19.html (öffnet in neuem Tab)
  13. 13 § 286 Abs. 3 BGB __286.html (öffnet in neuem Tab)
  14. 14 IHK Schleswig-Holstein: Liquiditätsplan liquiditaetsplan-1368412 (öffnet in neuem Tab)
  15. 15 IHK München: Liquiditätsplanung liquiditaetsplanung (öffnet in neuem Tab)
  16. 16 IHK Nürnberg: Liquiditätsplanung liquiditaetsplanung (öffnet in neuem Tab)
  17. 17 IHK Hannover: Liquiditätsplanung liquiditaetsplanung-5281932 (öffnet in neuem Tab)
  18. 18 AlixPartners: Liquiditätsplanung im StaRUG-Kontext liquiditatsplanung-im-starug-kontext-jahre-wochen-monate (öffnet in neuem Tab)
  19. 19 WHK Controlling: Liquiditätsplanung in Excel liquiditaetsplanung-excel (öffnet in neuem Tab)

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Yupana ist eine Software für den Mittelstand, die Kontobewegungen, Verträge, Software-Lizenzen und die BWA in einer Ansicht zusammenführt. Was Ines in dieser Folge vorrechnet, sehen Sie dort an Ihren eigenen Zahlen.

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