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BWA-Kennzahlen im Überblick — mit Formeln und Bandbreiten

Neun Kennzahlen, die sich direkt aus der BWA rechnen lassen: Formel, Beispiel, branchentypische Bandbreite und was sie im Zweifel nicht sagen.

Jens Hagel aktualisiert am 9 Min. Lesezeit
Rechenbrett mit gesetzten Kugeln — Zahlen in Fächern

Inhalt in Kürze

  • Neun Kennzahlen lassen sich direkt aus der BWA rechnen, ohne weitere Unterlagen.
  • Drei bis fünf davon reichen für die monatliche Steuerung.
  • Bandbreiten sind Orientierung, kein Ziel — der eigene Vorjahresmonat ist der bessere Maßstab.
  • Vier Kennzahlen brauchen zusätzlich die Bilanz und stehen deshalb nicht in der BWA.

Warum Quoten und keine Beträge

Ein Betrag sagt nichts, solange man ihn nicht ins Verhältnis setzt. Ein Beispiel: 105.000 € Personalkosten sind in einem Betrieb mit 300.000 € Gesamtleistung etwas völlig anderes als in einem mit 900.000 €.

Deshalb ist die Prozentspalte der BWA die nützlichste und am wenigsten beachtete Spalte der ganzen Auswertung.

Welche Zeilen überhaupt darüberstehen und wie sie zusammenhängen, steht in der Erklärung, was eine BWA überhaupt ist.

Alle folgenden Kennzahlen beziehen sich auf die Gesamtleistung, nicht auf den Umsatz. Der Unterschied ist in Bau, Handwerk und Produktion erheblich — mehr dazu im Glossar unter Gesamtleistung.

Die fünf, die man monatlich liest

KennzahlFormelBeispiel
RohertragsquoteRohertrag ÷ Gesamtleistung180.000 ÷ 300.000 = 60 %
MaterialquoteMaterialaufwand ÷ Gesamtleistung120.000 ÷ 300.000 = 40 %
PersonalkostenquotePersonalkosten ÷ Gesamtleistung105.000 ÷ 300.000 = 35 %
Personalkosten je RohertragPersonalkosten ÷ Rohertrag105.000 ÷ 180.000 = 58 %
Umsatzrendite (vorläufig)Ergebnis ÷ Gesamtleistung21.000 ÷ 300.000 = 7 %

Die vierte Zeile ist die am seltensten gerechnete und die am häufigsten gebrauchte: Sie ist unabhängig davon, wie viel Material durchgereicht wurde, und damit über Monate stabil vergleichbar.

Einzelnes rundes Manometer an einer Rohrleitung, schwarzweiß
Ein Instrument, das jemand abliest, ist mehr wert als zwanzig, die niemand ansieht.

Die vier, die man quartalsweise ansieht

Fixkostendeckung = Rohertrag ÷ (Personalkosten + sonstige Fixkosten). Im Beispiel 180.000 ÷ 159.000 = 1,13. Sie sagt, wie viel Luft über den Fixkosten liegt. Ein Wert unter 1,0 bedeutet Verlust.

Sonstige-Kosten-Quote = sonstige betriebliche Aufwendungen ÷ Gesamtleistung. Im Beispiel 6 %. Steigt sie über mehrere Quartale, lohnt eine Bestandsaufnahme der laufenden Verträge.

Abschreibungsquote = Abschreibungen ÷ Gesamtleistung. Zeigt, wie kapitalintensiv gearbeitet wird — und wie stark das Ergebnis von einer Zahl abhängt, hinter der kein Zahlungsfluss steht.

Break-even-Umsatz = Fixkosten ÷ Rohertragsquote. Im Beispiel 159.000 ÷ 0,60 = 265.000 €. Der Umsatz, ab dem der Monat schwarz wird. Diese Zahl kennt kaum jemand aus dem Kopf, obwohl sie die praktischste von allen ist.

Rechnet den Break-even-Umsatz einmal aus und hängt ihn sichtbar auf. Er beantwortet mitten im Monat die Frage, ob man noch Aufträge braucht — ohne dass jemand eine Auswertung öffnen muss.

Bei zwei dieser vier Kennzahlen steckt die eigentliche Arbeit in der Definition, nicht in der Rechnung. Was als Fixkosten zählt, entscheidet über beide Werte.

Streng genommen sind nur wenige Kosten wirklich fix — Miete, Versicherungen, Grundgebühren. Personal ist es kurzfristig, langfristig nicht.

Für die monatliche Steuerung hat sich die pragmatische Fassung bewährt: alles, was auch in einem Monat ohne einen einzigen Auftrag anfällt. Wichtig ist nur, dass die Abgrenzung über die Monate gleich bleibt — sonst vergleicht man zwei verschiedene Kennzahlen miteinander.

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Bandbreiten — mit einer Warnung

Die folgenden Größenordnungen sind Beobachtungswerte aus mittelständischen Betrieben, keine Erhebung. Sie taugen zur groben Einordnung und nicht als Ziel.

Wer belastbare Vergleichswerte braucht, findet sie an einer Stelle: Die Deutsche Bundesbank veröffentlicht jährlich Verhältniszahlen aus Jahresabschlüssen deutscher Unternehmen, aufgegliedert nach Wirtschaftszweigen.

Nehmen wir die folgenden Spannen also als das, was sie sind: ein Beispiel für die Größenordnung, in der sich Betriebstypen unterscheiden.

BetriebstypRohertragsquotePersonalkosten je Rohertrag
Beratung, Dienstleistung85–95 %55–70 %
Agentur75–90 %55–70 %
IT-Systemhaus40–65 %45–65 %
Handwerk, Bau45–65 %50–70 %
Handel25–45 %35–55 %

Wer außerhalb seiner Bandbreite liegt, hat nicht zwingend ein Problem — aber eine Frage. Angenommen, ein Handelsbetrieb kommt auf 55 % Rohertragsquote: Dann hat er entweder ein sehr gutes Sortiment oder eine ungewöhnliche Kostenzuordnung.

Was die BWA nicht hergibt

Vier verbreitete Kennzahlen brauchen die Bilanz und lassen sich aus der Erfolgsrechnung allein nicht rechnen:

  • Eigenkapitalquote — braucht Bilanzsumme und Eigenkapital
  • Liquiditätsgrade — brauchen Bestände, siehe Liquidität 1., 2. und 3. Grades
  • Debitorenlaufzeit — braucht den Forderungsbestand
  • Kapitalumschlag — braucht die Bilanzsumme

Viele Kanzleien liefern eine Bilanzkennzahlen-Auswertung auf Anfrage. Für Bankgespräche ist sie regelmäßig die wichtigere Unterlage.

Der Grund liegt in der Blickrichtung. Die BWA zeigt einen Zeitraum, die Bilanz einen Stichtag — und eine Bank fragt zuerst nach dem Stichtag, weil dort steht, womit sie im Ernstfall rechnet.

Die dritte Zahl im folgenden Block ist weiter oben aus den Beispielwerten gerechnet, nicht erhoben:

9Kennzahlen direkt aus der BWA
3–5reichen für die monatliche Steuerung
265.000 €Break-even-Umsatz im Beispielbetrieb

Wie man eine Kennzahl zum Laufen bringt

  1. Eine auswählen. Für die meisten Betriebe ist es die Rohertragsquote.
  2. Zwölf Monate rückwärts rechnen. Erst der Verlauf zeigt, was normal ist.
  3. Eine Bandbreite festlegen. Nicht einen Zielwert — eine Spanne, außerhalb derer man hinschaut.
  4. Monatlich eintragen. Eine Zeile in einer Tabelle genügt. Wer sie nach drei Monaten nicht mehr pflegt, hat die falsche Kennzahl gewählt.
Drei Kennzahlen zu rechnen dauert im Monat keine zehn Minuten, weil die Prozentspalte der BWA die halbe Arbeit schon erledigt hat. Der Aufwand liegt einmalig darin, sich auf drei festzulegen — und dann bei ihnen zu bleiben, auch wenn eine vierte interessant aussieht.

Wer neun Kennzahlen verfolgt, verfolgt keine. Drei bis fünf, monatlich eingetragen und gegen den eigenen Vorjahresmonat gehalten, sagen mehr als jede Branchentabelle.

Wir haben zwei Jahre lang zu viele Kennzahlen betrachtet und keine gesteuert. Seit wir drei verfolgen, fällt eine Abweichung tatsächlich auf.
Jens Hagel, Mitgründer der frag.hugo Informationssicherheit GmbH

Die Einzelbegriffe stehen im Kennzahlen-Glossar; wie man die Auswertung insgesamt liest, unter BWA lesen und verstehen und BWA verstehen. Die Preise stehen vollständig auf der Preisseite.

Die drei häufigsten Fehler beim Kennzahlenlesen

Fehler 1: der Vormonatsvergleich. Er misst überwiegend Arbeitstage, Feiertage und Urlaubszeiten. Ein Betrieb mit vierundzwanzig Arbeitstagen im Oktober und achtzehn im Dezember hat im Dezember zwangsläufig schlechtere absolute Zahlen — daraus einen Trend zu lesen, führt regelmäßig zu Entscheidungen, die drei Monate später zurückgenommen werden. Der Vorjahresmonat ist der einzige faire Maßstab, weil dort dieselben strukturellen Bedingungen gelten.

Fehler 2: die Quote ohne Bezugsgröße prüfen. Eine gesunkene Personalkostenquote klingt gut. Wenn sie gesunken ist, weil die Gesamtleistung durch einen einzigen materialintensiven Großauftrag gestiegen ist, hat sich am Personal nichts verbessert — im Gegenteil, die Wertschöpfung je Kopf ist gleich geblieben, während mehr Kapital gebunden wurde. Deshalb steht in der Tabelle oben die Kennzahl „Personalkosten je Rohertrag“: Sie ist gegen genau diesen Effekt immun.

Fehler 3: Branchenwerte als Ziel behandeln. Eine Bandbreite beschreibt, was üblich ist, nicht was richtig ist. Ein Betrieb, der bewusst mehr eigene Leistung erbringt statt zuzukaufen, hat eine höhere Personalkostenquote und eine höhere Rohertragsquote als der Durchschnitt — beides ist Ausdruck einer Entscheidung und kein Befund.

Wann eine Abweichung wirklich eine ist

Nicht jede Bewegung verdient eine Reaktion. In der Praxis haben sich drei Schwellen bewährt:

Ein Prozentpunkt ist Rauschen. Rundungen, Buchungszeitpunkte und einzelne Aufträge erklären das.

Zwei Prozentpunkte über zwei aufeinanderfolgende Monate sind ein Hinweis. Jetzt lohnt sich ein Blick in die Summen- und Saldenliste, aber noch keine Maßnahme.

Drei Prozentpunkte oder drei Monate in dieselbe Richtung sind ein Befund. Ab hier ist die Frage nicht mehr, ob etwas passiert ist, sondern was.

Diese Schwellen gelten für die Quoten, nicht für die Beträge. Ein Betrag kann sich verdoppeln, ohne dass sich die Quote bewegt — dann ist der Betrieb gewachsen und nicht teurer geworden.

Was Kennzahlen nicht leisten

Sie sagen, dass sich etwas verändert hat, und in welche Richtung. Sie sagen nicht, warum. Die Rohertragsquote fällt — waren es Einkaufspreise, Sortiment oder Nachlässe? Die Personalkostenquote steigt — war es eine Einstellung, Mehrarbeit oder ein Auftragsrückgang?

Für die Antwort braucht es andere Quellen: die Summen- und Saldenliste für die Buchungsebene, die Warenwirtschaft für Artikel und Margen, die Zeiterfassung für Auslastung.

Eine Kennzahl ist ein Wecker, keine Diagnose — und wer sie als Diagnose behandelt, trifft regelmäßig die falsche Maßnahme.

Der Weg von der Kennzahl zur Entscheidung

Zwischen einer auffälligen Zahl und einer sinnvollen Maßnahme liegen in der Regel zwei Schritte, die gerne übersprungen werden. Der erste ist die Prüfung, ob die Zahl überhaupt stimmt: Eine falsch zugeordnete Buchung verschiebt eine Quote zuverlässiger als jede betriebliche Entwicklung.

Der zweite ist die Frage nach der Ursache — und die beantwortet, wie oben beschrieben, keine Kennzahl von selbst.

Erst danach folgt die Entscheidung, und die ist oft kleiner als befürchtet.

Ein Beispiel, mit den Werten von oben gerechnet: Die Rohertragsquote fällt von 60 % auf 58 %. Der Rohertrag sinkt damit von 180.000 € auf 174.000 €.

Um die fehlenden 6.000 € über den Preis zu holen, braucht es bei unverändertem Materialeinsatz eine Anhebung von 2 % auf die Gesamtleistung.

Das ist eine Maßnahme, über die man reden kann — anders als über ein diffuses „wir müssen die Kosten senken“. Wie dieselbe Bewegung über drei Monate aussieht, zeigt das durchgerechnete BWA-Beispiel.

Genau diesen Verlauf legt Yupana automatisch an, sobald die monatliche Auswertung eingelesen ist — samt Formel und Herkunftsposition je Kennzahl (BWA im Produkt).

Yupana rechnet diese Kennzahlen monatlich mit — jede mit der Formel und den Positionen daneben, aus denen sie entsteht.

BWA analysieren

Häufige Fragen

Welche BWA-Kennzahl ist die wichtigste?
Die Rohertragsquote — Rohertrag geteilt durch Gesamtleistung. Sie reagiert als Erste auf Veränderungen bei Einkaufspreisen und Sortimentsmix und zeigt Entwicklungen damit Monate, bevor sie im Ergebnis ankommen. Wer nur eine einzige Zahl aus seiner BWA mitnehmen will, nimmt diese und vergleicht sie mit dem Vorjahresmonat. Das vorläufige Ergebnis ist dagegen die am stärksten verzerrte Zahl der ganzen Auswertung.
Wie berechnet man die Personalkostenquote?
Personalkosten geteilt durch Gesamtleistung, mal hundert. Aussagekräftiger ist allerdings die Variante bezogen auf den Rohertrag statt auf die Gesamtleistung: Steigt der Materialanteil, sinkt die Quote vom Umsatz, ohne dass sich am Personal etwas geändert hätte. Die Kennzahl Personalkosten je Rohertrag wird am seltensten gerechnet und am häufigsten gebraucht — sie zeigt, wie viel von der eigenen Wertschöpfung in Löhne geht.
Gibt es allgemeingültige Zielwerte für BWA-Kennzahlen?
Nein. Jede Bandbreite hängt an Branche und Geschäftsmodell. Ein Handelsbetrieb hat naturgemäß eine niedrigere Rohertragsquote als ein Dienstleister, ohne deshalb schlechter zu wirtschaften. Aussagekräftig ist der Vergleich mit dem eigenen Vorjahresmonat, nicht mit einem Durchschnittswert aus einer Statistik. Eine Quote, die über vier Quartale um fünf Punkte fällt, ist ein Signal — unabhängig davon, wo sie im Branchenvergleich steht.
Wie viele Kennzahlen braucht man monatlich?
Drei bis fünf. Wer neun verfolgt, verfolgt keine: Die Aufmerksamkeit reicht nicht, die Zahlen widersprechen sich gelegentlich, und am Ende bleibt der Blick doch an der letzten Zeile hängen. Sinnvoll ist ein fester Satz aus Rohertragsquote, Personalkosten je Rohertrag und Umsatzrendite — ergänzt um höchstens zwei Werte, die zum eigenen Geschäftsmodell passen.
Rechnet die Kanzlei die Kennzahlen aus?
Die Prozentspalte der BWA enthält bereits die wichtigsten Quoten bezogen auf die Gesamtleistung — sie ist die nützlichste und am wenigsten beachtete Spalte der Auswertung. Weitergehende Kennzahlen und Auswertungen liefern viele Kanzleien auf Anfrage ohne Aufpreis, weil die zugrunde liegenden Daten ohnehin gebucht sind. Gefragt wird nur selten danach.
Was ist die Fixkostendeckung und wozu dient sie?
Rohertrag geteilt durch Fixkosten. Der Wert sagt, um welchen Faktor die eigene Wertschöpfung die unvermeidbaren Kosten deckt. Ein Wert von 1,13 bedeutet: Bricht der Rohertrag um mehr als dreizehn Prozent ein, reicht er nicht mehr für die Fixkosten. Damit ist die Kennzahl der praktischste Frühindikator für die Frage, wie viel Umsatzrückgang ein Betrieb verkraftet, bevor es eng wird.

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